Michael Brunn
Chefredakteur

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Der Übergang zu einer zirkulären Textilwirtschaft erfordert neue Formen der Zusammenarbeit und vor allem verlässliche Daten entlang komplexer globaler Wertschöpfungsketten. Digitale Produktpässe gelten dabei als zentrales politisches Instrument, um Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Recyclingfähigkeit von Textilien zu verbessern. Anhand empirischer Einblicke aus dem europäischen Textilrecycling untersucht das Strategiepapier „Digital product passports: The golden thread through textile recycling?" von Pesco-Up, welches Potenzial digitale Produkt- und Materialpässe tatsächlich entfalten können, wo ihre Grenzen liegen und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie zu einem wirksamen Enabler datenbasierter Zirkularität werden.

Dass die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen ein enormes Potenzial bietet, ist weitgehend akzeptiert. Es ist aber weitgehend unklar, wie das genau aussehen kann. Das gilt auch für die Nachhaltigkeit. Das Wuppertal Institut hat die Möglichkeiten in dem Impulspapier „Digitales Deutschland: Politische, ökonomische und gesellschaftliche Impulse für eine nachhaltige Digitalisierung in Deutschland auf acht Ebenen" untersucht.

Die Kreislaufwirtschaft verfolgt das Ziel, Ressourcen möglichst lange im Umlauf zu halten und Abfälle zu vermeiden. Mit der fortschreitenden Digitalisierung entstehen neue Möglichkeiten, diese Prinzipien umzusetzen. Der Bericht „Opportunities and Challenges in Implementing Circular Economy within Digital Platforms" von Wissenschaftlern aus Kolumbien, Indonesien und Singapur unter-sucht, welche Chancen und Herausforderungen sich aus der Implementierung von Kreislaufwirt-schaftsprinzipien in digitalen Plattformen ergeben. Ziel ist es, die Potenziale digitaler Technologien für Ressourceneffizienz und nachhaltige Geschäftsmodelle aufzuzeigen und zugleich die Hindernisse zu benennen, die eine breitere Umsetzung erschweren. Der Bericht wurde in „International Transactions on Education Technology" veröffentlicht.

Die Industrie gilt als Schlüsselakteur der Kreislaufwirtschaft. Sie verbraucht erhebliche Mengen an Energie und Rohstoffen, erzeugt große Abfallströme und verfügt gleichzeitig über ein enormes Potenzial, Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Digitale Technologien spielen dabei eine zentrale Rolle. Doch trotz dieser hohen Erwartungen kommt die digitale Kreislaufwirtschaft in vielen Industrieunternehmen nur langsam voran. Die Studie „Barriers to the Adoption of Digital Technologies for a Circular Economy: Insights from the Manufacturing Industry" deutscher Wissenschaftler*innen identifiziert insgesamt 36 konkrete Barrieren, die Unternehmen auf ihrem Weg zu einer digital gestützten Kreislaufwirtschaft ausbremsen. Die Studie wurde im „Journal of Circular Economy" veröffentlicht.

Der VBS bewertet die Entscheidung als richtungsweisend für vergleichbare Vorhaben in anderen Regionen.

Der Circularity Gap Report Brazil von Circle Economy zeigt, dass die brasilianische Wirtschaft stark linear geprägt ist. Nur 1,3 Prozent der eingesetzten Materialien sind sekundäre Rohstoffe und liegen damit deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 6,9 Prozent. Der Bericht identifiziert großes Transformationspotenzial durch regenerative Landwirtschaft, industrielle Symbiosen und zirkuläre Baustoffströme. Die 2024 eingeführte nationale Strategie zur Kreislaufwirtschaft bietet einen Rahmen, erfordert jedoch konkrete Ziele und sektorübergreifende Maßnah-men.

Die Transformation zu einer klimaneutralen Industrie verstärkt den Druck auf energieintensive Sektoren wie Stahl, Aluminium, Zement und Kunststoffe. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft zu, da sie Emissionen senkt, Ressourcenabhängigkeiten reduziert und wirtschaftliche Resilienz stärkt. Die JRC-Studie „Capturing the Potential of the Circular Economy Transition in Energy-Intensive Industries" zeigt, welches zusätzliche Dekarbonisierungspotenzial durch zirkuläre Maßnahmen erschlossen werden kann und welche politischen Rahmenbedingungen dafür notwendig sind.

Die Transformation des europäischen Zement- und Betonsektors hin zu einer Kreislaufwirtschaft bietet erhebliches Potenzial zur Senkung von Emissionen, zur Reduktion des Rohstoff- und Energieverbrauchs sowie zur Stärkung der strategischen Autonomie der EU. Der Bericht „Environmental and Socio-Economic Impacts of the Circular Economy Transition in the EU Cement and Concrete Sector" des Joint Research Centres (JRC) zeigt, wie technische, normative und politische Innovationen zusammenwirken müssen, um die zirkuläre Transformation dieses ressourcenintensiven Sektors erfolgreich zu gestalten.

Wertstoffsammelplätze sind unverzichtbar für die Kreislaufwirtschaft - sorgen im Wohnumfeld jedoch immer wieder für Konflikte. Vor allem Lärm durch Altglas- und Altpapiercontainer wird von Anwohnenden als störend empfunden. Die Studie „Beurteilung und Minderung des Lärms bei Recyclingvorgängen", die das Lärmkontor im Auftrag des Umweltbundesamts durchgeführt hat, zeigt, wo die Geräusche entstehen, was aktuelle Messungen belegen und mit welchen praxisnahen Maßnahmen Kommunen, Entsorger und Hersteller Lärmbelastungen wirksam reduzieren können.

Die globale Bautätigkeit ist einer der zentralen Treiber des weltweiten Ressourcenverbrauchs und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen. Während die internationale Gemeinschaft mit dem Pariser Klimaabkommen das Ziel formuliert hat, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, steigt der CO₂-Fußabdruck des Bausektors seit Jahrzehnten dynamisch an. Die Diskrepanz zwischen politischer Ambition und realer Entwicklung könnte in den kommenden Jahrzehnten zu einem entscheidenden Engpass werden. Die Studie „Carbon footprint of the construction sector is projected to double by 2050 globally" von Wissenschaftler*innen aus China, Deutschland, den Niederlanden und Österreich zeigt, dass der Sektor allein ausreichen könnte, um das verbleibende CO₂-Budget für das 1,5-Grad-Ziel zu verbrauchen, selbst wenn andere Industrien vollständig dekarbonisiert würden. Die Studie wurde in „Communications Earth & Environment" veröffentlicht.