Michael Brunn
Chefredakteur

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Recycling Europe sieht die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte des Papierrecyclings gefährdet. Nach Ansicht des Verbands würden regulatorische Fragmentierung, Marktungleichgewichte und steigende operative Risiken den Druck auf die Recycler erhöhen. Ohne klare Maßnahmen riskiere Europa, sowohl bei den Zirkularitätszielen als auch bei der industriellen Wettbewerbsfähigkeit, Boden zu verlieren. Der Verband schlägt vier Maßnahmen vor, um den Problemen zu begegnen.

Beschleunigte Genehmigungsverfahren und reduzierte Berichtspflichten bieten Unternehmen der Entsorgungs- und Recyclingbranche die Chance, notwendige Infrastruktur zügiger auszubauen. Gleichzeitig sieht der Verband zentrale Risiken bei den Erleichterungen im Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung, die in dieser Form zu weit gehen.

Alttextilien werden bislang überwiegend thermisch verwertet, was wertvolle Polymerressourcen unwiederbringlich vernichtet und die Chance auf eine nachhaltige Wiederverwendung verhindert. Das Projekt CloseT setzt auf chemisches Recycling mittels Solvolyse. Hierbei sollen gemischte Alttextilfasern in einem kontinuierlichen Prozess unter Einsatz eines Doppelschneckenextruders chemisch recycelt werden. Die im Recyclingprozess gewonnenen Reaktionsprodukte sollen unmittelbar als Rohstoffe in der Kunststoffverarbeitung Anwendung finden.

Mit dem Entsorger Circle entsteht ein neues Netzwerk von Unternehmen der Abfall- und Recyclingbranche, die Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI) und Innovation aktiv vorantreiben wollen. Korn Recycling gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Wie sieht eine zirkuläre Welt 2050 aus? Dazu gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen. Wissenschaftler*innen aus den Niederlanden und Italien haben sich in dem Beitrag „Degrowth or barbarism? An exploration of four circular futures of 2050" in „Frontiers in Sustainability" mit der Frage beschäftigt, wie sich die Gesellschaft in vier unterschiedlichen Szenarien entwickeln könnte.

Die Textilindustrie verursacht durch Überproduktion und kurze Nutzungszyklen erhebliche Umweltbelastungen. Obwohl die EU ab 2025 eine getrennte Sammlung von Textilien vorschreibt, bleibt die tatsächliche Recyclingfähigkeit vieler Produkte fraglich, da Mischgewebe und Elemente wie Reißverschlüsse oder Knöpfe die Verwertung erheblich erschweren. Die Studie „Assessing the Circularity Potential of Textile Flows for Future Markets in Denmark: A Study of Textile Anatomy" von dänischen Wissenschaftler*innen untersucht am Beispiel des dänischen Marktes, wie die Kombination aus Faserzusammensetzung, Lagen und Zierelementen die Kreislauffähigkeit beeinflusst. Die Studie wurde in „Sustainable Production and Consumption" veröffentlicht.

Vor zehn Jahren wurde das Pariser Klimaschutzabkommen verabschiedet. Wie jedes Jahr hat UN Environment die Fortschritte auf dem Weg zum Erreichen der dort beschlossenen Ziele untersucht. Wie der „Emissions Gap Report 2025" deutlich zeigt, geht die Entwicklung zwar in die richtige Richtung, das aber viel zu langsam.

Idealerweise sollte die Lebensdauer von Produkten möglichst lang sein, um Rohstoffe zu schonen und Abfälle zu vermeiden. Eine Möglichkeit ist die Nutzung von gebrauchten und generalüberholten Produkten. Die Studie „Refurbished statt neu: Die zweite Chance für Smartphones" von Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation, Wuppertal Institut und Kantar zeigt aber, dass diese Option noch nicht besonders weit verbreitet ist.

Elektronikabfälle sind der weltweit am schnellsten wachsende Abfallstrom und stellen eine ökologische wie ökonomische Herausforderung dar. Der Beitrag „Exploring the E-Waste Crisis: Strategies for Sustainable Recycling and Circular Economy Integration" amerikanischer Wissenschaftler untersucht zentrale Herausforderungen, Technologien und politische Rahmenbedingungen des E-Waste-Managements und zeigt auf, wie zirkuläre Strategien und digitale Innovationen den Übergang zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Elektronikindustrie ermöglichen können. Der Beitrag wurde in „Recycling" veröffentlicht.

Die Lage ist nicht gut, aber auch noch nicht hoffnungslos. Der „Green Transition Tracker 2025" von Allianz Research zeigt, dass einige Länder beim Erreichen der Klimaziele besser vorankommen als andere. Dennoch ist offensichtlich, dass insgesamt noch deutlich mehr getan werden muss.