Michael Brunn
Editor-in-Chief

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Der Konsum von Textilien in der Europäischen Union steigt seit Jahren kontinuierlich an. Durchschnittlich verbrauchen EU-Bürger*innen heute rund 19 Kilogramm Textilien pro Jahr. Das führt zu hohem Ressourcenverbrauch, Abfall und Umweltbelastungen. Um gegenzusteu-ern, verfolgt die EU eine Strategie für nachhaltige und zirkuläre Textilien. Im Fokus stehen län-gere Nutzungsdauer, Wiederverwendung und Recycling, während Verbrennung und Deponie-rung nur letzte Optionen sein sollen. Ein zentrales Element ist der internationale Handel mit Secondhand-Kleidung. Während hochwertige Stücke in Europa verbleiben, wird der Großteil in Länder mit entsprechenden Märkten exportiert, insbesondere nach Afrika. Dort spielt Second-hand-Kleidung, wie in Kenia, eine wichtige Rolle. Am Beispiel von Humana hat das Swedish Environmental Research Institute untersucht, wie die Wertschöpfungskette von gesammelten Textilien in Europa über Sortierzentren bis zu Märkten in Kenia organisiert ist und welche öko-nomische und ökologische Bedeutung sie für die Kreislaufwirtschaft hat.

Die Umstellung von einer linearen zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft ist ein Kernziel des European Green Deal. Für Österreich bietet der Übergang sowohl Chancen als auch Her-ausforderungen, da ein großer Teil der Emissionen aus der Rohstoffverarbeitung stammt, be-sonders in energie- und prozessintensiven Branchen wie Stahl- und Zementproduktion. Kreis-lauforientierte Verfahren senken Energiebedarf und Emissionen und erleichtern mit Elektrifi-zierung die Dekarbonisierung. Das vom Klima- und Energiefonds geförderte Integrate-Projekt untersucht die Auswirkungen verstärkter Sekundärrohstoffnutzung in Schlüsselindustrien und zeigt ökologische wie ökonomische Vorteile, sofern geeignete politische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ziel ist eine transformative Innovationspolitik, die neben Technologie auch wirtschaftliche, institutionelle und gesellschaftliche Veränderungen fördert, um bis 2050 eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

Wie geht es der Umwelt in Europa? Diese Frage hat sich die Europäische Umweltagentur (EEA) gestellt. In ihrem Bericht „Europe's environment 2025" kommt sie zu dem Schluss: gar nicht so gut. Viele der Ziele, die sich die EU für 2030 gesetzt hat, laufen Gefahr, verfehlt zu werden.

Eigentlich sollte es mit der Kreislaufwirtschaft längst so richtig losgehen. Aus einer Reihe von Gründen ist das nicht der Fall. Wissenschaftler aus Deutschland und Litauen argumentieren in dem Artikel „Non-implementation as a driver of circular economy evolution", dass gerade die fehlende Umsetzung zu ei-nem echten Treiber der Kreislaufwirtschaft werden kann. Der Artikel wurde im „Journal of industrial Eco-logy" veröffentlicht.

Zwar gilt in Deutschland seit 2015 die Pflicht zur getrennten Erfassung von Bioabfällen. Allerdings sind die Mengen in den vergangenen Jahren kaum noch gestiegen, da nach wie vor ein großer Teil der Abfälle in den Restmüll gelangt. Daher stellt sich die Frage, wie sich sowohl Qualität und Quantität der Sammelmengen verbessern lassen. Der Bericht „Untersuchung der Wirksamkeit von Abfallberatung, Kontroll- und Sanktionsmechanismen und anderen Maßnahmen zur Erhöhung von Menge, Anteil und Sortenreinheit getrennt gesammelter Bioabfälle in verschiedenen Siedlungsstrukturen" von Infa und L-Q-M im Auftrag des Umweltbundesamts versucht, diese Frage zu beantworten.

Digitale Systeme ermöglichen die Erfassung und Auswertung großer Datenmengen entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Sensorik, IoT (Internet of Things) und Blockchain-Technologien schaffen Transparenz über Herkunft, Nutzung und Zustand von Materialien. So wird es möglich, Produkte gezielt zu reparieren, wiederzuverwenden oder zu recyceln. Digitale Produktpässe etwa liefern umfassende Informationen zu Inhaltsstoffen, Recyclingfähigkeit und CO₂-Fußabdruck und sind damit ein zentraler Baustein einer zukünftigen zirkulären Wertschöpfung.

Das Programm bündelt priorisierte Maßnahmen aus der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die bis Ende 2027 umgesetzt werden sollen, und setzt damit einen zentralen Auftrag des Koalitionsvertrages um: kurzfristig realisierbare Schritte zur Schließung von Stoffkreisläufen zu definieren.

Doch während Rezyklate in Verpackungen oder Konsumgütern längst etabliert sind, stellt ihr Einsatz in hochbelasteten technischen Bauteilen weiterhin eine große Herausforderung dar.

Die Zukunftsallianz, eine Initiative des Klimavolksbegehrens, und das Klimabündnis Österreich haben diesen Wünschen im Rahmen eines bewährten Workshop-Programms Gehör verschafft: Im vergangenen Jahr wurden in 25 Workshops unter dem Motto „Gemeinde macht Zukunft" österreichweit rund 400 Bürger*innen motiviert, gemeinsam an zukunftsfitten Lösungen zu arbeiten und konkrete Maßnahmen für ihre Gemeinden zu entwickeln.

Der BDE begrüßt das vom Bundesumweltministerium (BMUKN) vorgestellte Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft als grundsätzlich richtigen Schritt zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). Es setze wichtige Impulse für Digitalisierung, Investitionsförderung und ökologische Beschaffung, greife jedoch zentrale Herausforderungen der Branche noch nicht ausreichend auf.