Michael Brunn
Chefredakteur

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Eigentlich können sich alle auf eine Kreislaufwirtschaft einigen, so richtig funktionieren will sie aber trotzdem nicht. Yannik Gehlen von der TU Darmstadt argumentiert in seinem Aufsatz „Zwischen Systemwandel und Selbsttäuschung: Vier Thesen zur Ambivalenz der Kreislaufwirtschaft", dass für das Gelingen der Kreislaufwirtschaft ein „kultureller Perspektivwechsel" die Grundlage ist.

Der Ausbau der Elektromobilität verlagert die industrielle Wertschöpfung hin zu Batterien und kritischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit, die zu strategischen Ressourcen werden. Elektrofahrzeuge benötigen deutlich mehr mineralische Rohstoffe als Verbrenner, was Kostenrisiken sowie ökologische und soziale Herausforderungen in globalen Lieferketten verstärkt. Die bisher lineare Batterie-Wertschöpfung gerät dadurch an ihre Grenzen. Recycling ist ein wichtiger Lösungsbaustein, kann den steigenden Materialbedarf kurzfristig jedoch nicht allein decken. Der Bericht „Leading the charge: Turning risk into reward with a circular economy for EV batteries and critical materials" der Ellen MacArthur Foundation zeigt, dass ein systemischer Ansatz erforderlich ist, der Recycling mit Batterie-Design, Nutzung, Zweitnutzung und neuen Geschäftsmodellen verbindet.

Biogene Abfälle und Reststoffe gewinnen im Zuge der Transformation hin zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Bericht „Verwertung biogener Abfälle und Reststoffe - Kohlenstoffquelle, Bioenergie & negative Emissionen" vom Deutschen Biomasseforschungszentrum beleuchtet aktuelle Entwicklungen, technologische Ansätze und politische Rahmenbedingungen entlang der stofflichen und energetischen Verwertung biogener Reststoffe und zeigt auf, welche Rolle die Abfall- und Kreislaufwirtschaft künftig für Defossilisierung, Ressourceneffizienz und eine zirkuläre Bioökonomie einnimmt. Der Bericht wurde in „Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft" veröffentlicht.

Biogas wird in der energiepolitischen Debatte häufig unterschätzt oder als Auslaufmodell behandelt. Die Studie„Zukunftsaussichten der Biogasbranche", die das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme im Auftrag des Fachverbandes Biogas erstellt hat, zeigt jedoch: Als Energie- und Kohlenstoffträger aus Rest- und Abfallstoffen kann Biogas einen zentralen Beitrag zur Energiewende und zur Kreislaufwirtschaft leisten.

Die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft stellt Industrie, Bildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger vor weitreichende Herausforderungen. Besonders die chemische Industrie und die Materialwissenschaften spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie schaffen die technologischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen, um Materialien effizienter zu nutzen, Produkte langlebiger zu gestalten und Stoffkreisläufe zu schließen. Der Bericht „Jobs and skills for a circular economy: a cross-sector perspective from the chemical and materials science and engineering communities" fasst zentrale Erkenntnisse einer Gemeinschaftsstudie des Institution of Chemical Engineers (IChemE), des Institute of Materials, Minerals and Mining (IOM3) und der Royal Society of Chemistry (RSC) zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen im Kompetenzbedarf, die Anforderungen an Bildungswege, Schwierigkeiten bei der Fachkräftegewinnung und die politischen Handlungsoptionen.

Sozusagen in letzter Minute hat die Bundesregierung ihr „Klimaschutzprogramm 2026" vorgelegt. Das Programm musste spätestens 12 Monate nach Aufnahme der Regierungsgeschäfte vorgelegt werden. Herausgekommen ist erwartungsgemäß ein bunter Strauß an Maßnahmen. Ob die alle greifen werden, ist allerdings vor allem aufgrund der sonstigen Politik der Bundesregierung mehr als fraglich.

Anlass ist nach Angaben des Verbandes die wirtschaftlich angespannte Lage der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Deutschland. Als zentrale Belastungsfaktoren nennt pro-K eine aus seiner Sicht unausgewogene Regulierung, hohe Energiekosten und zunehmende geopolitische Risiken.

Mit dem Zero Pollution Action Plan verfolgt die Europäische Union das Ziel, Umweltverschmutzung bis 2050 auf ein für Mensch und Natur unschädliches Niveau zu reduzieren. Die von der Europäischen Kommission vorgelegte Halbzeitbewertung zeigt, dass in einzelnen Bereichen bereits deutliche Fortschritte erzielt wurden, zugleich aber strukturelle Defizite in Umsetzung, Governance und Politikintegration fortbestehen.

Die europäische Gesetzgebung sieht die verbindliche Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien vor. Die Bundesregierung will diese Vorgabe mit einem deutschen Textilgesetz erfüllen. Mit dem Positionspapier „Eckpunkte zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien" hat das BMUKN nun einen ersten Vorschlag zur konkreten Umsetzung gemacht.

Der vom Weltwirtschaftsforum vorgestellte Bericht "Nature Positive: Role of the Technology Sector" positioniert die Digital- und Technologiebranche als potenziell Schlüsselakteure beim Schutz der Biodiversität und natürlichen Ressourcen. Der Bericht ist in die internationale "Nature Positive"-Erzählung eingebettet, die seit dem Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework zunehmend als Leitprinzip für Wirtschaft und Politik dient. Laut dem Bericht sollte der Technologiesektor nicht nur seine eigenen Umweltbelastungen verringern, sondern auch durch Digitalisierung, Datenverfügbarkeit und Effizienzgewinne zur ökologischen Transformation anderer Branchen beitragen. Diese Perspektive ist ehrgeizig - und von unmittelbarer Bedeutung für die Kreislauf- und Abfallwirtschaftsbranche.