Michael Brunn
Editor-in-Chief

Editor-in-Chief


Urbanisierung und Bevölkerungswachstum verschärfen das Problem des weltweiten Mülls. Neben der Beeinträchtigung des Stadtbildes verursacht Müllabfuhr erhebliche ökologische und gesundheitliche Risiken. Darüber hinaus gehen recycelbare Materialien verloren, die im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft recycelt werden könnten, während die Gemeinden mit hohen Reinigungskosten belastet sind. Die Studie "Untersuchung der Auswirkungen der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle der Bürger auf das Abfallmüllverhalten und den daraus resultierenden Umweltstatus" iranischer Wissenschaftler untersuchte das Problem anhand der Stadt Behbahan (Iran). Ziel ist es, die Spannung zwischen Einstellung, wahrgenommener Kontrolle und Verhalten zu analysieren und Ausgangspunkte für Maßnahmen im Sinne einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft abzuleiten. Die Studie wurde in "Nature" veröffentlicht.

Die Umsetzung zirkulärer Prinzipien erfordert Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg - insbesondere für KMU, die oft nur begrenzte finanzielle und organisatorische Ressourcen zur Mobilisierung haben. Eine rein unternehmenszentrierte Sicht auf zirkuläre Geschäftsmodelle bleibt nicht ausreichen, weil sie die Abhängigkeiten von Partnern, Infrastrukturen und Vorschriften ignoriert. Eine Ökosystemperspektive hingegen berücksichtigt Rollen, Beziehungen, Material- und Datenflüsse sowie Governance-Mechanismen und eröffnet so realistische Wege zu Wirkung und Skalierung. Die Studie "SMEs in the Circular Economy: Four Ecosystem Strategies for Circular Business Models" von schwedischen und finnischen Wissenschaftlern verknüpft diese Perspektive mit einem Entscheidungsraster: Wenn Sie Ihre Rolle im Ökosystem und dessen Reifegrad kennen, können Sie eine geeignete Strategie auswählen und sie konsequent umsetzen. Ziel ist es, diese Logik verständlich zu machen und in handlungsorientierte Empfehlungen für die Praxis der Kreislaufwirtschaft umzusetzen. Die Studie wurde in der Zeitschrift "Organization & Environment" veröffentlicht.

Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Industrialisierung haben zu einem starken Anstieg der Abfallmengen weltweit geführt. Konventionelle Systeme mit Sammelrouten, manueller Sortierung und Deponierung sind ineffizient, kostenintensiv und ökologisch problematisch. Was gebraucht wird, ist ein Wandel hin zu nachhaltigeren, technologiebasierten Ansätzen. Digitale Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT) ermöglichen die Nutzung von Echtzeitdaten, intelligente Routenplanung, automatisierte Sortierung und bessere Rückverfolgbarkeit. Diese Faktoren können Effizienz und Ressourcennutzung verbessern und die ökologische Verschmutzung verringern. Die Studie "Revolutionising urban solid waste management with AI and IoT: a review of smart solutions for waste collection, sorting and recycling" eines saudischen Forschers beleuchtet den Stand solcher Lösungen, ihr Potenzial und ihre Grenzen sowie die Rahmenbedingungen für nachhaltige Abfallwirtschaft. Die Studie wurde in der Zeitschrift "Results in Engineering" veröffentlicht.

Seit den 1950er Jahren ist die weltweite Kunststoffproduktion rasant gewachsen und erreicht nun insgesamt mehrere Milliarden Tonnen. Die Mehrheit dieser Kunststoffe wird nach kurzer Nutzungszeit weiterhin deponiert, verbrannt oder unkontrolliert in die Umwelt abgegeben, während nur ein kleiner Teil recycelt wird. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, gewinnt die Idee einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe an Bedeutung. Neben mechanischen und chemischen Prozessen rücken biokatalytische Ansätze zunehmend in den Fokus. Enzyme bieten das Potenzial, bestimmte Kunststoffarten unter milden Bedingungen in ihre Monomere zu zersetzen und so hochwertige Recyclingstoffe zu schaffen. Die öffentliche Wahrnehmung von "plastikfressenden Bakterien" zeigt die Faszination für diese Technologie, birgt aber auch das Risiko überhöhter Erwartungen. Prof. Wolfgang Zimmermann, emeritierter Professor am Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig, hat in seinem Bericht "Biokatalytisches Recycling von Kunststoffen: Fakten und Fiktion" eine Analyse durchgeführt, um die Chancen und Grenzen des biokatalytischen Recyclings realistisch zu klassifizieren. Der Bericht wurde in "Chemical Science" veröffentlicht.

Kunststoffverpackungen machen fast 40 Prozent der weltweiten Kunststoffproduktion aus und aufgrund ihrer kurzen Lebenszyklen gilt ihr Recycling als Schlüsselfaktor für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Trotz steigender Sammlungsvolumina ist bisher nur ein kleiner Teil als hochwertiges Recyclingmaterial auf den Markt gekommen. In der Studie "Enhancement in Post-Consumer Mechanical Recycling of Plastics: Role of Design for Recycling, Specifications, and Efficient Sorting of Packaging Material" untersuchten österreichische Wissenschaftler drei zentrale Hebel für hochwertiges Kunststoffrecycling: Design for Recycling (DfR), Bindespezifikationen und effiziente Sortiertechnologien. Ihre Wechselwirkung bestimmt, ob Materialflüsse in geschlossenen Kreisläufen geleitet oder in untergeordnete Anwendungen heruntergefahren werden. Die Studie wurde in "Polymers" veröffentlicht.

Metallrecycling ist zentral für die Dekarbonisierung der Industrie, insbesondere der Stahlproduktion. Da der Wandel hin zu elektrischen Stahlwerken fortschreitet, wird erwartet, dass Schrott den Großteil der Rohstoffnachfrage deckt. Im Vereinigten Königreich, wo ab 2025 die gesamte Stahlproduktion auf Schrott basieren soll, wird recycelter Stahl zunehmend als strategische Ressource betrachtet. In diesem Zusammenhang gewinnen politische Forderungen nach Exportbeschränkungen an Bedeutung. Obwohl sie darauf abzielen, die heimische Versorgung zu sichern, würden solche Maßnahmen eine Branche gefährden, die derzeit 70-80 Prozent ihrer Produkte im Ausland verkauft. Die Studie "Bewertung der Auswirkungen potenzieller Einschränkungen auf den britischen Export von recycelten Metallen - eine evidenzbasierte Bewertung für die British Metals Recycling Association", durchgeführt von der Sheffield Hallam University für die British Metals Recycling Association (BMRA), untersuchte die möglichen Folgen solcher Beschränkungen. Sie kombiniert wirtschaftliche Modellierung mit Umfragen unter Unternehmen, um die Gesamtwirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung zu beleuchten sowie die Perspektiven der verschiedenen beteiligten Unternehmen darzustellen. Ziel ist es, eine evidenzbasierte Grundlage für Diskussionen über die Rolle des Recyclings bei der Transformation der britischen Stahlindustrie zu schaffen.

Seit 1950 ist die weltweite Produktion von Polymeren von 1,7 Millionen auf 348 Millionen Tonnen pro Jahr gestiegen. Diese Entwicklung ist auf die niedrigen Kosten und vielseitigen Eigenschaften von Kunststoffen zurückzuführen, hat aber zu erheblicher Umweltverschmutzung geführt. Internationale Initiativen konzentrieren sich zunehmend darauf, die Polymerproduktion und -verbrauch zu reduzieren sowie das Recycling zu fördern. Ziel der von chinesischen und britischen Wissenschaftlern durchgeführten Studie "Bewertung des Potenzials zur Reduzierung der globalen Nachfrage nach Polymeren" ist es daher, systematisch die globalen Materialflüsse von 14 Polymergruppen zu erfassen, Prognosen für Nachfrage und Abfallentwicklung bis zum Jahr 2100 zu entwickeln und das Potenzial zur Nachfrageminderung sowie mechanisches und chemisches Recycling zu quantifizieren. Die Studie wurde in "Resources, Conservation & Recycling" veröffentlicht.

Durch die Mobilitätstransformation kommt es zu einem deutlich steigenden Bedarf an Rohstoffen sowie zu Herausforderungen bei den global vernetzten Lieferketten für Batterien. Für die europäischen Hersteller ist vor allem die ausreichende Versorgung mit relevanten Schlüsselrohstoffen herausfordernd. Diese wächst noch durch die in der neuen EU-Batterieverordnung vorgesehenen Rezyklateinsatzquoten. Mit diesen Herausforderungen beschäftigt sich die Studie „Stoffkreisläufe für Antriebsbatterien - Rohstoffpotenziale des Batterierecyclings in der Automobilindustrie und Optionen zur Erfüllung der erweiterten Herstellerverantwortung in Europa", die das Öko-Institut im Auftrag von GRS und mit Unterstützung von Agora Verkehrswende durchgeführt hat.

Die aktuellen geopolitischen Krisen gehen auch an der Recyclingindustrie nicht spurlos vorbei. Daher standen auf der Herbsttagung des BIR Ende Oktober in Bangkok vor allem Handelsbeschränkungen in ihren verschiedenen Spielarten im Mittelpunkt der Diskussionen.

Mit klaren Botschaften startet die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) in den Branchentreff 2025, der am 15. und 16. Oktober 2025 in Osnabrück unter dem Motto „Global, Zukunftsstark, Unverzichtbar" stattfand: Exportverbote für Stahlschrott sind der falsche Ansatz.