Michael Brunn
Editor-in-Chief

Editor-in-Chief


Die EU hat einen soliden politischen Rahmen für die Klimawende geschaffen. Für den weiteren Fortschritt ist ein faktenbasierter, praxisorientierter Ansatz nötig, um Politik und Ressourcen gezielt einzusetzen. Das ECNO bewertet dazu in ihrem „2025 Flagship Report: State of EU Progress to Climate Neutrality" 13 sektorale und übergreifende Bausteine.

Bau- und Abbruchabfälle (C&DW) machen weltweit rund ein Viertel des gesamten Abfallaufkommens aus. Durch Urbanisierung und Infrastrukturwachstum, insbesondere in Schwellenländern, steigen die Mengen kontinuierlich. Diese Abfallmengen belasten Deponien, Ökosysteme und Ressourcen, bieten jedoch zugleich erhebliche Chancen. Recycling und Wiederverwendung könnten den Rohstoffverbrauch deutlich senken und Treibhausgasemissionen reduzieren. In der Praxis werden diese Potenziale bislang aber kaum genutzt. Indische Wissenschaftler haben in dem Bericht „A critical review on recycling and reuse of construction and demolition waste materials" aktuelle Prozesse, Hindernisse und Strategien des C&DW-Recyclings untersucht und zeigen Wege auf, wie die Bauwirtschaft zu einer kreislauforientierten Ressourcennutzung transformiert werden kann. Der Bericht wurde in „Cleaner Waste Systems" veröffentlicht.

Die Abfallwirtschaft ist ein zentrales Handlungsfeld der europäischen Kreislaufwirtschaft. EU-Richtlinien geben ambitionierte Ziele vor, doch eine wirksame Steuerung erfordert belastbare Daten zu ökologischen und öko-nomischen Auswirkungen. Bisher stützen sich viele Bewertungen jedoch auf mengenbasierte Indikatoren wie Recyclingquoten oder Deponierungsraten, die nur eingeschränkt die tatsächliche Umwelt- und Kostenbilanz widerspiegeln. Besonders problematisch ist, dass meist nur gesammelte Abfallmengen berücksichtigt werden, während die tatsächlich erzeugten Mengen mit Fehlwürfen und nicht erfassten Strömen oft verborgen bleiben. Dadurch werden Ineffizienzen im System übersehen und Prioritäten verzerrt. Die Studie „Comprehensive as-sessment of environmental and economic impacts of the entire EU waste management system" von Wissen-schaftlern aus Dänemark und Spanien stellt ein Modell vor, das beide Perspektiven miteinander verbindet und zugleich ökologische und ökonomische Bewertungen integriert. Die Studie wurde in „Waste management" veröffentlicht.

Viele Bereiche der europäischen Industrie sind auf die Verfügbarkeit von Permanent-magneten angewiesen, die Seltene Erden enthalten. Diese sind aber nicht in Europa verfügbar, sondern stammen zu sehr großen Teilen aus China. Daher ist eine neue Strategie erforderlich. Wie die aussehen könnte, hat Circular Republic in dem Bericht „Closing the loop on rare earth magnets" ausgeführt.

Zwar ist seit 2015 die getrennte Sammlung von Bioabfällen in Deutschland für private Haushalte ver-pflichtend, aber nicht alle Kommunen haben dies auch tatsächlich angemessen umgesetzt. Dadurch und durch eine nicht konsequente Trennung in den Haushalten liegt der durchschnittliche Anteil an Bioabfäl-len in der Restmülltonne bei etwa 40 Prozent. Der NABU hat untersucht, welche Sammelsysteme zur getrennten Erfassung zum Einsatz kommen, welche Sammelmengen erreicht werden und wie hoch der Anschlussgrad an die Biotonne in Deutschland ist.

Die Bau- und Abbruchindustrie zählt weltweit zu den größten Abfallverursachern. Vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaftrückt ein effizientes Abfallmanagement zunehmend in den Fokus. Konventionelle Sortierverfahren stoßen dabei an Grenzen: Sie sind personalintensiv, fehleranfällig undkostenaufwendig. Maschinelles Lernen (ML) in Verbindung mit Computer Vision und Robotik bietet hier neue Ansätze. Bislang fehlt jedoch empirische Evidenz, die die ökologischen und ökonomischen Vorteile von ML-basierten automatisierten Sortiersystemen systematisch mit konventionellen Verfahren vergleicht. Die Studie „Machine learning-based automated waste sorting in the construction industry: A comparative competitiveness case study" finnischer Wissenschaftler untersucht am Beispiel zweier finnischer Unternehmen, inwiefern MLAS sowohl in Bezug auf Recyclingquoten und Materialreinheit als auch auf die Kostenstruktur bessere Ergebnisse liefern kann. Die Studie wurde in „Waste management" veröffentlicht.

Die europäische Wirtschaft steht vor der doppelten Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen. Besonders die Transformation hin zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft erfordert erhebliche Investitionen, bietet aber auch Chancen für Innovation und nachhaltiges Wachstum. Nach aktuellen Schätzungen beträgt die Investitionslücke rund 850 Milliarden Euro pro Jahr im Zeitraum 2027 bis 2034. Angesichts begrenzter nationaler Haushaltsmittel gewinnt die Idee eines europäischen öffentlichen Investitionsfonds an Bedeutung. Der Bericht „The macroeconomic effects of a green European Public Investment Fund - taking climate change into account" des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung untersucht die makroökonomischen Effekte eines solchen Fonds unter Berücksichtigung der langfristigen Klimakosten.

Die Aktivitäten sollen beweisen, dass Batteriezellen, die zu 80 Prozent aus nachhaltig recycelten Materialien bestehen, eine ähnliche Leistung erbringen können wie solche, die aus neuen Metallen aus dem Bergbau hergestellt werden. Für seine Aktivitäten stehen dem Konsortium Finanzmittel in Höhe von 3,14 Millionen Euro zur Verfügung, wovon 2,1 Millionen Euro aus einer Förderung der deutschen Bundesregierung stammen.

Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des BDE: „Europa braucht eine Kreislaufwirtschaft, die Ressourcen schützt, Unternehmen stärkt und das Klima entlastet."

Der neue Report „Mapping of Global Advanced Plastic Recycling Capacities" des nova-Instituts bietet den aktuell umfassendsten Überblick über diesen dynamischen globalen Markt. Er umfasst 390 geplante, installierte oder in Betrieb befindliche Anlagen weltweit und liefert Details zu deren Eingangs- und Ausgangskapazitäten, den eingesetzten Technologien und ihrer regionalen Verteilung.