Die Regelung ist Teil der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte und soll die Mengen an Textilabfällen in Europa reduzieren sowie die Kreislaufwirtschaft stärken. Bisherige Schätzungen zeigen, dass in Europa etwa 20 Prozent der im Online-Handel gekauften Kleidungsstücke retourniert werden. Ein erheblicher Teil dieser Ware ließ sich bislang wirtschaftlich nicht wiederverwerten, erneut verkaufen oder recyceln. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden in Europa jährlich vier bis neun Prozent unverkaufter Textilien zerstört, was erhebliche Kohlendioxid-Emissionen verursacht.
Neue Verwertungspfade für schwer recycelbare Mischgewebe
Für viele Unternehmen der Branche bedeutet diese gesetzliche Vorgabe einen grundlegenden Umbruch der bisherigen Prozesse. Jahrzehntelang bildete die Vernichtung überschüssiger Ware aus Überproduktionen oder Retouren einen festen Bestandteil der Wertschöpfungskette. Marken, Händler, Sortierer und Entsorger stehen nun vor der Frage, wie sie mit Textilien verfahren, die sich weder verkaufen, spenden noch sortenrein recyceln lassen. Das Kölner Unternehmen CRCL bietet für diese Schnittstelle einen industriellen Verwertungspfad an. Der Prozess verarbeitet unverkaufte Textilien zu einer neuen Ressource und überführt das lineare System in eine Kreislaufwirtschaft. Aus den bisher nicht verwertbaren Alttextilien entsteht ein industriell nutzbarer Wertstoff, der den Lebenszyklus der Materialien verlängert.
Industrielles Granulat ersetzt Primärrohstoffe im Bausektor
Das angewendete Verfahren unterscheidet sich von klassischen Second-Hand- oder Recyclingansätzen. Bislang nicht recycelbare Altkleider, die insbesondere aus Mischfasern wie Polyester, Zellulose oder Elastan bestehen, werden zu einem neuen, kreislauffähigen Werkstoff verarbeitet. Das Endprodukt ist ein Granulat für industrielle Anwendungen, das unter dem Namen Apatura geführt wird. Dieser Sekundärrohstoff findet Einsatz in der Möbelindustrie, im Innenausbau sowie im Bausektor. Der mechanische Recyclingansatz ergänzt die bestehenden Lösungen des chemischen Recyclings. Das Unternehmen verarbeitet gezielt jene Textilien, die aufgrund ihrer komplexen Materialzusammensetzung oder ihres Zustands bislang von der Wiederverwertung ausgeschlossen waren.
Regulatorischer Druck treibt ökologische Innovationen an
Das EU-Verbot der Textilvernichtung verdeutlicht, dass die Transformation hin zu einer zirkulären Industrie rechtlich verbindlich ist. Für die Textilwirtschaft bedeutet dies einen Paradigmenwechsel, da Textilien künftig als Materialwerte im Umlauf bleiben müssen und nicht mehr als Abfall deklariert werden können. Angesichts global steigender Textilmengen lässt sich das Problem der Altkleiderentsorgung nicht mehr ignorieren. Das neue Verwertungsverfahren zeigt auf, dass sich der regulatorische Druck in wirtschaftliche Innovationen und neue Geschäftsmodelle übersetzen lässt. Für die Mode- und Textilbranche entsteht dadurch ein funktionierender industrieller Verwertungspfad, der den steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und Kostenfragen der Branche begegnet.





