Michael Brunn
Chefredakteur

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Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs verändert nicht nur Fahrzeugkonzepte, sondern auch Geschäfts-modelle im Automobilhandel. Ein Beispiel dafür ist das Autohaus Lueg, das ein neues Geschäftsfeld im Bereich Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut hat. Am sächsischen Standort Bernsdorf betreibt die Gruppe heute eine Anlage zur Entladung und Demontage von Traktionsbatterien.

Digitale Produktpässe gelten als Schlüsselinstrument zur Förderung von Transparenz, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in globalen Wertschöpfungsketten. Insbesondere im Bereich kritischer Rohstoffe für Batterien sollen sie regulatorische Fragmentierung überwinden und verlässliche Informationen über Herkunft, Verarbeitung und Weiterverwendung bereitstellen. Ihre grenzüberschreitende Umsetzung wirft jedoch erhebliche rechtliche Fragen auf. Das Whitepaper „Digital Product Passports and Critical Raw Materials for Batteries: Legal Conflicts and Prin-ciples for Cross-Border Cooperation" von UNECE analysiert die zentralen rechtlichen Konfliktfelder bei der Implementierung digitaler Produktpässe in globalen CRM-Batterie-Wertschöpfungsketten und entwickelt Prinzipien für eine international koordinierte rechtliche Rahmensetzung.

Die Kreislaufwirtschaft gilt als zentraler Hebel für Klimaschutz, Rohstoffsicherheit und industrielle Wett-bewerbsfähigkeit in Europa. Mit dem geplanten Circular Economy Act will die EU den Übergang zu zirku-lären Wertschöpfungssystemen weiter beschleunigen.

Die Transformation hin zu einer ressourceneffizienten und klimaneutralen Wirtschaft entscheidet sich im Mittelstand. Gerade Unternehmen aus Recycling-, Entsorgungs-, Logistik- und verarbeitenden Branchen stehen an der Schnittstelle von Klimaschutz und industrieller Wertschöpfung.

Die Kreislaufwirtschaft steht vor einem technologischen Wendepunkt. Steigende Stoffstrommengen, anspruchsvollere Materialverbunde und ambitionierte Recyclingziele erfordern neue Lösungen jenseits klassischer Prozessoptimierung. Künstliche Intelligenz entwickelt sich dabei vom Innovationsversprechen zum operativen Werkzeug - in Sortieranlagen, Logistiksystemen und bereits im Produktdesign. Die Studie „Leveraging artificial intelligence for economic development: Innovations in Circular Economy and waste reduction strategies" von Wissenschaftlern aus Usbekistan zeigt, wie datenbasierte Technologien die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft transformieren, welche wirtschaftlichen und ökologischen Effekte realistisch sind und welche strategischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung erfüllt sein müssen.

Digitale Zwillinge gelten als Schlüsseltechnologie von Industrie 4.0. Doch ihr Potenzial reicht weit über Effizienzsteigerungen in der Produktion hinaus. Als datenbasierte Abbildung von Produkten und Prozessen können sie die Transparenz schaffen, die für geschlossene Stoffkreisläufe erforderlich ist. Wissenschaftlerinnen der Uni Köln zeigen in dem Beitrag „Digital twins as enablers for circular economy development in the context of Industry 4.0", wie digitale Zwillinge und digitale Produktpässe das Recycling verändern können und welche wirtschaftlichen Chancen sich daraus ergeben. Der Beitrag wurde in der „Zeitschrift für angewandte Organisationspsychologie" veröffentlicht.

Digitale Technologien gelten als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft. Doch neue Daten zeigen: Digitalisierung allein bringt keine nachhaltige Transformation. Erst wenn digitale Teilhabe soziale Sicherheit, politische Stabilität und Generationengerechtigkeit stärkt, steigt die Bereitschaft zur Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle. Die Studie „Digital Equity as a Catalyst for Circular Economy Transition" von Wissenschaftlern aus Dubai zeigt, warum Circular Economy mehr gesellschaftliche Infrastruktur als technische Innovation braucht.

Die Bauindustrie muss ihren ökologischen Fußabdruck durch den Übergang zur Kreislaufwirtschaft drastisch reduzieren. Als zentrales Werkzeug dienen dabei Materialpässe, die digitale Informationen über Herkunft und Recycling-potenzial von Baustoffen bereitstellen. Trotz technischer Fortschritte bleibt die Forschungslage jedoch fragmentiert, da oft die Verknüpfung zwischen Datenqualität und praktischen Zirkularitätsstrategien wie der Wiederverwendung fehlt. Dies verunsichert Entscheidungsträger und behindert den flächendeckenden Einsatz. Die Studie „Evaluating material passports for circularity in the construction industry" chinesischer Wissenschaftler*innen schließt diese Lücke durch eine systematische Analyse von Literatur und Fallstudien. Ziel ist die Entwicklung einer standardisierten Datenstruktur, die die notwendige Informationstiefe für ein nachhaltiges Kreislaufsystem definiert.

Die Kreislaufwirtschaft gilt als zentrales Konzept, um den steigenden Ressourcenverbrauch und die wachsenden Abfallmengen nachhaltig zu bewältigen. Weltweit werden bereits über zwei Milliarden Tonnen Abfälle pro Jahr erzeugt, Prognosen zufolge könnte diese Zahl bis 2050 auf 3,4 Milliarden Tonnen anwachsen. Diese Entwicklung belastet Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Digitale Techno-logien eröffnen hierfür neue Perspektiven. Sie können klassische Abfallwirtschaftssysteme modernisieren und zentrale Prinzipien der Kreislaufwirtschaft wirksam unterstützen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie „Artificial Intelligence and IoT for Smart Waste Management: Challenges, Opportunities, and Future Directions" indonesischer Wissenschaftler die Rolle von KI und IoT in der Kreislaufwirtschaft, stellt zentrale Anwendungen vor und diskutiert Hindernisse wie auch Chancen für eine nachhaltige Transformation. Die Studie wurde im „Journal of Future Artificial In-telligence and Technologies" ver-öffentlicht.

Lebensmittelabfälle sind ein globales Nachhaltigkeitsproblem: Rund ein Drittel der produzierten Nahrungsmittel geht jährlich verloren oder wird entsorgt. Dies führt zu massiven wirtschaftlichen Einbußen, einem ineffizienten Einsatz von Ressourcen wie Wasser und Energie sowie zu hohen Treibhausgasemissionen durch die Deponierung organischer Abfälle. Da private Haushalte weltweit für etwa 60 Prozent dieser Abfälle verantwortlich sind, rücken sie zunehmend in den Fokus der Kreislaufwirtschaft. Im Hospitality-Sektor haben sich in den letzten Jahren KI-gestützte Systeme als wirksames Instrument etabliert, um Abfälle zu messen, zu analysieren und durch gezielte Rückmeldungen zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie „Exploring the potential of AI-driven food waste management strategies used in the hospitality industry for application in household settings", die von amerikanischen Wissenschaftler*innen in „Frontiers in Artificial Intelligence" veröffentlicht wurde, wie sich solche Technologien an Haushalte anpassen lassen und welche Rolle sie für die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsprinzipien spielen können.