Michael Brunn
Editor-in-Chief

Editor-in-Chief


Mit der Strategie „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache" legt die Stadt Wien erstmals einen umfassenden Rahmen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft vor. Die Stadt will ökologische Grenzen, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Innovationskraft in einem integrierten Konzept verbinden und so eine zirkuläre Transformation auf städtischer Ebene vorantreiben.

Die Verringerung persistenter Kunststoffverschmutzung ist eine zentrale Herausforderung auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Biologisch abbaubare Materialien bieten ein erhebliches Potenzial, sofern ihre Anwendung kontrolliert und normenkonform erfolgt. Der Bericht „Adressing Persistent Plastic Pollution" der Circular Bioeconomy Working Group zeigt anhand von Fallstudien aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Kompostierung, dass zertifizierte biologisch abbaubare Kunststoffe die langfristige Akkumulation von Mikroplastik deutlich verringern können.

Die Kreislaufwirtschaft gilt als Schlüsselkonzept, um ökonomisches Wachstum und Ressourcenverbrauch dauerhaft voneinander zu entkoppeln. Besonders das kommunale Recycling nimmt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle ein. Entsprechend ambitioniert sind die politischen Ziele. Tatsächlich zeigt sich jedoch ein deutlich differenziertes Bild. Einige Mitgliedstaaten liegen schon heute weit über dieser Zielmarke, während andere trotz politischer Anstrengungen kaum Fortschritte erzielen. Die Frage, welche strukturellen Rahmenbedingungen Recyclingleistung fördern oder hemmen, gewinnt damit zunehmend an Bedeutung. Die Studie „Municipal waste recycling in the EU: a multi-method analysis of determinants and country profiles (2005-2023)" slowakischer Wissenschaftler*innen hat diese Zusammenhänge erstmals umfassend für alle EU-Mitgliedstaaten im Zeitraum 2005 bis 2023 untersucht. Die Studie ist in „Frontiers in Environmental Science" erschienen.

Trotz ambitionierter europäischer Zielsetzungen verläuft der Übergang von linearen zu zirkulären Kunststoffsystemen nur zögerlich. Eine aktuelle Untersuchung im Rahmen des EU-Projekts Nontox beleuchtet die Sichtweisen von Akteuren entlang der Kunststoffwertschöpfungskette und zeigt auf, welche Barrieren den Wandel behindern und welche politischen sowie wirtschaftlichen Maßnahmen erforderlich sind, um ihn zu beschleunigen.

Lebensmittelverluste und -verschwendung stellen ein großes Nachhaltigkeitsproblem dar, da sie Ressourcen verbrauchen und Umweltbelastungen verursachen. Gleichzeitig sucht die Kunststoffindustrie nach Alternativen zu erdölbasierten Kunststoffen.

Die europäische Energie- und Klimapolitik befindet sich in einem entscheidenden Umbruch. Angesichts geopolitischer Krisen, der Notwendigkeit zur Treibhausgasreduktion und der wachsenden Forderung nach Energiesouveränität hat die Europäische Union 2022 mit dem Programm RePowerEU eine ambitionierte Zielsetzung formuliert: Bis 2030 sollen jährlich 35 Milliarden Kubikmeter Biomethan produziert werden, um fossiles Erdgas teilweise zu ersetzen. Biogas gilt in diesem Zusammenhang als Hoffnungsträger. Doch eine genauere Betrachtung wie im Bericht „Biogas policies in the EU - Levelling up or locking in?" von DUH, Changing Markets Foundation, EIA, EEB, Methane Matters und Zero Waste Europe zeigt, dass diese Entwicklung ambivalent ist und im Widerspruch zu den Grundprinzipien einer echten Kreislaufwirtschaft stehen kann.

Mit dem 8. Umweltaktionsprogramm der Europäischen Union liegt erstmals ein rechtlich verbindlicher, langfristig angelegter Rahmen vor, der Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz systematisch zusammenführt und mit konkreten Zielmarken bis 2030 hinterlegt ist. Das jährliche Monitoring der EEA macht sichtbar, ob sich Europa tatsächlich von einer überwiegend linearen Wirtschaftsweise hin zu einer ressourcenschonenden, regenerativen Ökonomie bewegt.

Diese Fehlsteuerung wirkt direkt auf die Recyclingwirtschaft zurück: Wo Abfall billig deponiert oder exportiert werden kann, fehlt dem Recycling die wirtschaftliche Grundlage.

Seit 2005 ist das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) das zentrale Instrument der europäischen Klimapolitik. Es sollte marktbasiert sicherstellen, dass Treibhausgasemissionen dort gesenkt werden, wo dies am kosteneffizientesten möglich ist. Nach zwei Jahrzehnten Erfahrung lässt sich feststellen, dass das System in den meisten beteiligten Sektoren messbare Emissionsminderungen erzielt hat. Doch zugleich wird deutlich, dass Emissionshandel allein nicht ausreicht, um die umfassende Transformation der Industrie in Richtung einer klimaneutralen und zirkulären Wirtschaftsweise voranzutreiben. Der Beitrag „Effectiveness of EU Emissions Trading: What drives emission developments?" von Öko-Institut und INFRAS im Auftrag des Umweltbundesamts diskutiert, welche Lehren aus der Entwicklung des EU ETS gezogen werden können, um den Übergang von einer

Im Zuge der Neuerschließung des Areals durch den Einzelhandel werden die früheren Produktionsanlagen vollständig entfernt. Das Abbruchvolumen umfasst rund 250 000 Kubikmeter umbauten Raum und stellt hohe Anforderungen an Technik, Logistik und Ablaufplanung.