Michael Brunn
Editor-in-Chief

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Bereits zur Eröffnung zeigte sich die politische Bedeutung der Branche. Am Hauptstand des BDE begrüßten Matthias Harms, kommissarischer Präsident, Andreas Bruckschen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, und Christian Suhl, Geschäftsführer und Leiter der Brüsseler Vertretung, mehrere politische Gäste. Dazu gehörten EU-Kommissarin Jessika Roswall, Bundesumweltminister Carsten Schneider und der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber. Auch Stefan Böhme, Präsident des Verbands der Bayerischen Entsorgungsunternehmen, und Geschäftsführer Rüdiger Weiß nahmen teil. Als weiterer Gast war Florian Bilic, Berichterstatter für Kreislaufwirtschaft der CDU-Bundestagsfraktion, vor Ort.

Die gesellschaftliche Zustimmung zum Umwelt- und Klimaschutz ist vorhanden, aber sie wird fragiler. Während Umweltpolitik dort unterstützt wird, wo sie Infrastruktur verbessert und Lebensqualität erhöht, wachsen Skepsis und Widerstände bei als ungerecht empfundenen Belastungen. Die „Umweltbewusstseinsstudie 2024" des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung und Sociodimensions im Auftrag des Umweltbundesamts macht deutlich, dass sozial gerechte Gestaltung und glaubwürdige Kommunikation entscheidend sind, um Transformationspolitik mehrheitsfähig zu halten.

Die Rohstoffversorgung Deutschlands steht 2024 unter zunehmendem Druck. Hohe Importabhängigkeiten, volatile Märkte und geopolitische Risiken machen deutlich, dass eine ausschließlich auf internationale Primärrohstoffmärkte ausgerichtete Versorgungsstrategie an ihre Grenzen stößt. Der aktuelle Rohstoffbericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zeigt, dass die inländische Rohstoffgewinnung zwar bei mineralischen Baurohstoffen stabil ist, bei Metallen, Energierohstoffen und insbesondere kritischen Rohstoffen jedoch kaum zur Versorgungssicherheit beiträgt.

Wie halten es die Deutschen mit der Nachhaltigkeitstransformation? Diese Frage versucht die Leuphana Universität Lüneburg mit ihrem „Transformationsbarometer 2025: Perspektiven der Bevölkerung auf Transformation und Nachhaltigkeit" zu beantworten. Die Autor*innen betonen, dass es zwar umfangreiche Untersuchungen zur Bevölkerungsperspektive auf Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimawandel gibt. Die Meinung zu nachhaltigkeitsorientierten Veränderungs- und Transformationsprozessen sei allerdings bisher kaum untersucht worden. Zudem werde die Ebene der Bundesländer grundsätzlich kaum betrachtet. Das soll das „Transformationsbarometer 2025" ändern.

Von einem Recyclingweltmeister Deutschland spricht schon länger niemand mehr. Aber es stellt sich dennoch die Frage, wo Deutschland im internationalen Vergleich in der Kreislaufwirtschaft positioniert ist. Anhand von Patentanmeldungen hat Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung versucht, mit der Studie „Innovationsanalyse zur Circular Economy" diese Frage zu beantworten.

Eigentlich können sich alle auf eine Kreislaufwirtschaft einigen, so richtig funktionieren will sie aber trotzdem nicht. Yannik Gehlen von der TU Darmstadt argumentiert in seinem Aufsatz „Zwischen Systemwandel und Selbsttäuschung: Vier Thesen zur Ambivalenz der Kreislaufwirtschaft", dass für das Gelingen der Kreislaufwirtschaft ein „kultureller Perspektivwechsel" die Grundlage ist.

Der Ausbau der Elektromobilität verlagert die industrielle Wertschöpfung hin zu Batterien und kritischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit, die zu strategischen Ressourcen werden. Elektrofahrzeuge benötigen deutlich mehr mineralische Rohstoffe als Verbrenner, was Kostenrisiken sowie ökologische und soziale Herausforderungen in globalen Lieferketten verstärkt. Die bisher lineare Batterie-Wertschöpfung gerät dadurch an ihre Grenzen. Recycling ist ein wichtiger Lösungsbaustein, kann den steigenden Materialbedarf kurzfristig jedoch nicht allein decken. Der Bericht „Leading the charge: Turning risk into reward with a circular economy for EV batteries and critical materials" der Ellen MacArthur Foundation zeigt, dass ein systemischer Ansatz erforderlich ist, der Recycling mit Batterie-Design, Nutzung, Zweitnutzung und neuen Geschäftsmodellen verbindet.

Biogene Abfälle und Reststoffe gewinnen im Zuge der Transformation hin zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Bericht „Verwertung biogener Abfälle und Reststoffe - Kohlenstoffquelle, Bioenergie & negative Emissionen" vom Deutschen Biomasseforschungszentrum beleuchtet aktuelle Entwicklungen, technologische Ansätze und politische Rahmenbedingungen entlang der stofflichen und energetischen Verwertung biogener Reststoffe und zeigt auf, welche Rolle die Abfall- und Kreislaufwirtschaft künftig für Defossilisierung, Ressourceneffizienz und eine zirkuläre Bioökonomie einnimmt. Der Bericht wurde in „Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft" veröffentlicht.

Biogas wird in der energiepolitischen Debatte häufig unterschätzt oder als Auslaufmodell behandelt. Die Studie„Zukunftsaussichten der Biogasbranche", die das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme im Auftrag des Fachverbandes Biogas erstellt hat, zeigt jedoch: Als Energie- und Kohlenstoffträger aus Rest- und Abfallstoffen kann Biogas einen zentralen Beitrag zur Energiewende und zur Kreislaufwirtschaft leisten.

Die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft stellt Industrie, Bildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger vor weitreichende Herausforderungen. Besonders die chemische Industrie und die Materialwissenschaften spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie schaffen die technologischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen, um Materialien effizienter zu nutzen, Produkte langlebiger zu gestalten und Stoffkreisläufe zu schließen. Der Bericht „Jobs and skills for a circular economy: a cross-sector perspective from the chemical and materials science and engineering communities" fasst zentrale Erkenntnisse einer Gemeinschaftsstudie des Institution of Chemical Engineers (IChemE), des Institute of Materials, Minerals and Mining (IOM3) und der Royal Society of Chemistry (RSC) zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen im Kompetenzbedarf, die Anforderungen an Bildungswege, Schwierigkeiten bei der Fachkräftegewinnung und die politischen Handlungsoptionen.