Michael Brunn
Chefredakteur

Chefredakteur


Die 4. Deutsche Mehrwegkonferenz der Stiftung Initiative Mehrweg und der Deutschen Umwelthilfe fand am 11. Juni im Smart Village in Berlin statt. Im Mittelpunkte standen die EU-Verpackungsordnung sowie Innovationen und Logistik

Die Welt steht an einem Wendepunkt im Umgang mit wachsendem Abfall. Schlechte Abfallbewirtschaftung hat erhebliche Folgen, bietet aber zugleich Chancen: Investitionen in nachhaltige und effiziente Systeme können Wachstum, Arbeitsplätze und Innovation fördern. Besonders die Kreislaufwirtschaft, die auf Wiederverwendung und Werterhalt setzt, kann Abfall in einen Motor nachhaltiger Entwicklung verwandeln. Der Bericht „What a Waste 3.0" der World Bank Group liefert dazu aktuelle Daten und Analysen zu globalen Trends im Abfallmanagement.

Deutschland verfügt über einen umfassenden Rechtsrahmen für die Kreislaufwirtschaft. Aber die Recyclingpotenziale bleiben dennoch oft ungenutzt. Das Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) „Umweltrecht zwischen Anspruch und Realität: Implementation als Kernaufgabe von Umweltpolitik" zeigt, dass nicht fehlende Vorschriften das zentrale Problem darstellen, sondern deren unzureichende Umsetzung.

Wie die Studie „High voltage selective fragmentation on Swedish mineral fraction of incineration bottom ash (MIBA)" von Wissenschaftler*innen aus Schweden und der Schweiz zeigt, eröffnet die Hochspannungs-Fragmentierung neue Perspektiven für die Rückgewinnung von Metallen aus Müllverbrennungsaschen. Zusätzliche Metallgehalte von bis zu 2,2 Prozent konnten erschlossen werden, während gleichzeitig neue, homogenere Stoffströme entstehen. Doch regulatorische Grenzen und materialtechnische Herausforderungen bremsen die industrielle Umsetzung bislang aus. Die Studie wurde in „Waste Management" veröffentlicht.

Interzero will künftig lebensmitteltaugliche Rezyklate aus Polypropylen-Verpackungen gewinnen, die über den Gelben Sack gesammelt werden. Hintergrund sind die Anforderungen der europäischen PPWR, die schrittweise verbindliche Rezyklatquoten für Kunststoffverpackungen einführt.

Die Notwendigkeit der Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft wird kaum noch in Frage gestellt. Eine praktische Umsetzung findet dennoch nicht statt. Dies gilt insbesondere für die Wertschöpfungskette Kunststoff. Das Problem besteht darin, dass Klimaneutralität bis 2045 eine völlig neue Aufstellung der Wertschöpfungskette erfordere. Die dazu erforderlichen Investitionen können von den Akteuren aber kaum erbracht werden. Insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Kunststoffrecycler sei bedroht. Daher hat das Positionspapier „Optionen für einen funktionsfähigen Markt für Kunststoffrezyklate" des Wuppertal Instituts im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt untersucht, welche Rahmenbedingungen für einen tragfähigen Markt für Kunststoffrezyklate erforderlich sind.

Methanemissionen aus Deponien werden in der europäischen Klimapolitik häufig unterschätzt, obwohl sie über Jahrzehnte hinweg erhebliche Auswirkungen auf das Klima haben. Die Studie „Methane emissions from Europe's landfills", die von Prognos und dem Ifeu-Institut durchgeführt und von Kanadevia Inova initiiert wurde, analysiert mithilfe eines szenariobasierten Modellansatzes die zukünftigen Methanemissionen aus der Deponierung von Siedlungsabfällen in der EU-27 und Großbritannien.

Die Stellungnahme „Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen" des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) zeigt, dass der Bau- und Gebäudesektor vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel steht. Zirkuläres Bauen kann Rohstoffverbrauch, Emissionen und Abfallmengen signifikant reduzieren, bleibt jedoch bislang hinter seinen Möglichkeiten zurück. Insbesondere im Gebäudebestand liegen enorme Potenziale, die bisher nur unzureichend gehoben werden.

Recycling Europe warnt vor den strukturellen Problemen, die das Kunststoffrecycling in Europa gefährden.

Laut der Studie „Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie" von der Boston Consulting Group und dem Bundesverband der Deutschen Industrie stellt die Kreislaufwirtschaft „einen strategischen Hebel zur effizienten und zielgerichteten Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, der Rohstoffversorgung sowie der Erreichbarkeit von Klimazielen dar". Die deutsche Industrie könnte dadurch unabhängiger, ressourceneffizienter und widerstandsfähiger werden. Zudem sei die wirtschaftliche Bedeutung der zirkulären Wertschöpfung erheblich, gerade vor dem Hintergrund eines stagnierenden Wirtschaftswachstums.