Michael Brunn
Chefredakteur

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Klimafolgen treffen Europa nicht nur direkt, sondern wirken über globale Lieferketten, Märkte und politische Verwerfungen in komplexen Kettenreaktionen zurück. Die Studie "Critical intervention points for European adaptation to cascading climate change impacts" europäischer Wissenschaftler*innen zeigt, an welchen systemischen Knotenpunkten sich diese Risiken bündeln. Die Studie wurde in „Nature" veröffentlicht.

Biogene Abfälle gehören zu den größten bislang unterschätzten Rohstoffquellen der europäischen Kreislaufwirtschaft. Lebensmittelreste, Holzabfälle, Klärschlamm und landwirtschaftliche Reststoffe fallen in enormen Mengen an, werden aber noch häufig verbrannt oder deponiert. Die Studie „Assessing the potential to enhance the circularity of bio-based waste" von Magellan Circle und 3drivers zeigt, dass mehr als die Hälfte dieser Materialien grundsätzlich höherwertig genutzt werden könnte. Entscheidend dafür sind eine bessere getrennte Sammlung, neue Verwertungstechnologien und klare politische Rahmenbedingungen für eine zirkuläre Bioökonomie.

Die Kreislaufwirtschaft gilt als Schlüssel für Ressourcen- und Klimaschutz. Doch sie ist längst auch ein bedeutender Beschäftigungsfaktor. Eine globale Bestandsaufnahme „Employment in the Circular Economy" von Circle Economy, World Bank Group, International Labour Organization und Page zeigt: Bis zu 142 Millionen Menschen arbeiten weltweit in zirkulären Tätigkeiten.

Die deutsche Industrie soll bis 2045 klimaneutral werden. Das setzt einen Verzicht auf fossile Rohstoffe voraus. Bei der Energieversorgung sei dies möglich, allerdings seien einige Industriezweige auch in Zukunft auf kohlenstoffhaltige Rohstoffe angewiesen. Hier stehen als Alternativen Sekundärrohstoffe, Biomasse und CO2 zur Verfügung. Bisher wird davon vor allem Biomasse genutzt. In4climate.NRW hat untersucht, wie eine effiziente stoffliche Nutzung von Ressourcen in der produzierenden Industrie erfolgen kann.

Lebensmittelabfälle sind eines der größten ungelösten Probleme der europäischen Abfallwirtschaft. Trotz klarer politischer Ziele und der Pflicht zur getrennten Bioabfallsammlung bleibt ein Großteil des organischen Abfalls im Restmüll. Die Studie „The case for Extended Producer Responsibility for food products" von Zero Waste Europe und dem Bio-based Industries Consortium bringt ein Instrument ins Spiel, das in anderen Abfallströmen längst etabliert ist: die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR).

Kreislaufwirtschaft gilt als Schlüssel für Ressourcenschonung, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist jedoch, ob sich daraus bereits heute belastbare wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen ableiten lassen.

Die Kenntnis der Kathodenchemie entscheidet zunehmend über die Effizienz moderner Recyclingprozesse. Die bisherige Praxis, heterogene Batterien gemeinsam zu verarbeiten, führt zu komplexen Stoffströmen und sinkender Metallausbeute. Die Studie „Identification of waste lithium-ion battery cell chemistry for recycling" finnischer Wissenschaftler zeigt, dass neue Diagnoseverfahren wie die Incremental Capacity Analysis erstmals eine nicht destruktive Vorsortierung ermöglichen können. Die Studie wurde in „Waste Management" veröffentlicht.

Ende Juni hat das BMUKN einen Referentenentwurf zur Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vorgelegt.

Die globalen Klimadaten der Weltorganisation für Meteorologie für 2025 zeigen eine deutliche Beschleunigung zentraler Trends von steigenden Treibhausgaskonzentrationen über Rekordtemperaturen bis hin zu einem wachsenden Energie-ungleichgewicht im Erdsystem. Diese Entwicklungen bleiben nicht ohne Folgen für industrielle Wertschöpfungsketten.

Das Diskussionspapier „A post-2030 climate policy framework fit for reaching the EU climate targets" des Umweltbundesamtes zeigt, dass die europäische Klimaschutzarchitektur nach 2030 deutlich präziser, kohärenter und belastbarer ausgestaltet werden muss, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 tatsächlich zu erreichen.