Vor mehr als 100 Teilnehmern sprach sich bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock für die Einführung einer Herstellerverantwortung aus. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die konkrete Ausgestaltung des Systems entscheidend für dessen Erfolg sei.
Wettbewerb erhalten
Nach Auffassung des bvse darf die Herstellerverantwortung nicht zu einer Zentralisierung des Marktes führen. Bestehende Strukturen für Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien sollten erhalten bleiben und weiterhin im Wettbewerb agieren. Hersteller müssten zwar die Finanzierungs- und Zielverantwortung übernehmen, dürften jedoch keine ausschließliche Kontrolle über Mengenströme und Stoffströme erhalten.
Der Verband fordert deshalb eine Systemarchitektur, die den Wettbewerb zwischen den Marktakteuren erhält und private Sammler, Sortierer sowie Verwertungsunternehmen als anerkannte Erfüllungsakteure einbindet.
Eigentumsverantwortung sichert Qualität
Der bvse sieht die Eigentumsverantwortung entlang der Wertschöpfungskette als wichtige Voraussetzung für eine hochwertige Erfassung und Verwertung von Alttextilien. Werden Sammler und Sortierer lediglich als Dienstleister ohne Verantwortung für die Stoffströme eingebunden, könnten Qualitätsverluste entstehen. Aus Sicht des Verbandes trägt die Verantwortung für die Materialien wesentlich dazu bei, die Qualität der erfassten und aufbereiteten Textilien sicherzustellen.
Zugleich verwies Rehbock auf Erfahrungen aus anderen Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung. Diese hätten gezeigt, dass eine zu starke Zentralisierung Risiken für Marktstrukturen und Qualitätsstandards mit sich bringen könne.
stiftung ear als Vorbild für Registerlösung
Für die Organisation einer zentralen Registrierungsstelle innerhalb der Textil-EPR spricht sich der bvse für die stiftung ear aus. Nach Ansicht des Verbandes verfügt die Einrichtung über langjährige Erfahrung beim Betrieb eines Herstellerregisters im Bereich Elektro- und Elektronikgeräte und könnte diese Kompetenzen auf den Textilbereich übertragen.
Der Verband hält die Schaffung einer zusätzlichen zentralen Stelle für nicht erforderlich. Stattdessen sollte eine Registerlösung gewählt werden, die keine operative Rolle im Markt übernimmt und den Wettbewerb zwischen den Akteuren unberührt lässt.
Branche unter Druck
Neben der Diskussion über die künftige Ausgestaltung der Textil-EPR thematisierte der bvse die aktuellen Herausforderungen der Alttextilbranche. Dazu zählen insbesondere steigende Mengen von Ultra-Fast-Fashion-Produkten, fehlende Recyclingkapazitäten sowie zunehmende Verunreinigungen in der getrennt erfassten Sammelware.
Nach Angaben des Verbandes enthalten einzelne Sammelcontainer mittlerweile erhebliche Anteile an Restabfällen. Dies erhöht die Kosten für Sammlung und Sortierung, verschlechtert die Qualität der Alttextilien und erschwert die weitere Verwertung. Gleichzeitig seien verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen erforderlich, um Investitionen in zusätzliche Recyclingkapazitäten anzureizen.
Entscheidende Phase für die Textil-EPR
Der kommissarische Vorsitzende des Fachverbands Textilrecycling, Marwin Gedenk, verwies auf die weitreichenden Veränderungen, vor denen die Branche steht. Der Verband habe sich bereits frühzeitig mit den Folgen einer Herstellerverantwortung für Textilien beschäftigt und die politische Diskussion in den vergangenen Jahren intensiv begleitet.
Gedenk machte deutlich, dass insbesondere Sammel- und Sortierunternehmen weiterhin unter den Folgen von Fast Fashion, Ultra Fast Fashion und hohen Störstoffanteilen leiden. Zudem verwies er auf Probleme, die durch die Kommunikation der geltenden Getrenntsammlungspflicht für Alttextilien entstanden seien.
Mit Blick auf die laufenden politischen Beratungen zur Herstellerverantwortung für Textilien sieht der bvse die Branche nun in einer entscheidenden Phase. Die anstehenden Entscheidungen zwischen Eckpunktepapier und Referentenentwurf werden nach Einschätzung des Verbandes die zukünftigen Rahmenbedingungen der textilen Kreislaufwirtschaft maßgeblich bestimmen.







