Materialbestände bremsen den Ressourcenschutz
Wachsende Materialbestände machen es schwierig, Stoffkreisläufe zu schließen.

Wachsende Materialbestände machen es schwierig, Stoffkreisläufe zu schließen.

Steigende Rohstoffpreise, geopolitische Unsicherheiten und ambitionierte Klimaziele verändern die Grundlagen industrieller Wettbewerbsfähigkeit.

Der steigende Bedarf an kritischen Rohstoffen stellt Europa vor neue Herausforderungen bei der Versorgung seiner Industrie. Neben neuen Bergbauprojekten rücken deshalb zunehmend auch bislang wenig genutzte Quellen in den Fokus.

Derzeit gehen erhebliche Mengen kritischer Rohstoffe verloren, da Fahrzeugelektronik bislang überwiegend zusammen mit Altfahrzeugen geschreddert wird.

Laut der Studie „Transforming textile waste into materials using fungi"könnten textile Abfallströme künftig nicht mehr primär als Entsorgungsproblem, sondern als Rohstoffbasis für neue Verbundwerkstoffe betrachtet werden. Forschende der Universität Wien und der Estonian University of Life Sciences haben nachgewiesen, dass Pilzmyzelien Altkleider zu belastbaren Laminatstrukturen verbinden können, deren mechanische Eigenschaften deutlich über bisherigen Myzelwerkstoffen liegen. Die Studie wurde in „Resources, Conservation & Recyc-ling" veröffentlicht.

Der Einsatz von Faserverbundwerkstoffen wächst weltweit rasant. Doch mit der steigenden Produktion nehmen auch Energieverbrauch, Materialverluste und Abfallmengen deutlich zu. Die Studie "Mapping the global flow of fiber-reinforced polymer composites and supply chain energy requirements" amerikanischer Wissenschaftler*innen zeigt im Detail, wie viel Energie die Herstellung von Composites tatsächlich benötigt, wo entlang der Lieferkette große Mengen Produktionsabfälle entstehen und warum Recycling bislang nur eine Nebenrolle spielt. Die Studie wurde in „Resources, Conservation & Recycling" veröffentlicht.

Glasrecycling zählt zu den erfolgreichsten Recyclingprozessen. Glas kann beliebig oft wie-der eingeschmolzen werden, ohne dabei an Qualität einzubüßen. Die Sammelquoten sind seit vielen Jahren hoch. Darüber hinaus werden beim Einsatz von recycelten Glasscherben im Vergleich zur Neuproduktion deutlich weniger Energie und Rohstoffe benötigt.

Lebensmittelverluste verursachen entlang der globalen Lieferketten enorme wirtschaftliche und ökologische Schäden. Die Studie „Making the invisible visible" von Avery Dennison kommt zu dem Ergebnis, dass allein im Einzelhandel und in der vorgelagerten Lieferkette jährlich wirtschaftliche Verluste in Höhe von rund 540 Milliarden US-Dollar entstehen. Neue digitale Technologien versprechen mehr Transparenz über Bestände, Haltbarkeit und Warenströme.

Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung bilden eine zusammenhängende „dreifache planetare Krise".

Die Stahlindustrie gehört weltweit zu den größten industriellen Emittenten von Treibhausgasen. Neben neuen Produktionsverfahren und einer klimafreundlichen Energieversorgung bietet insbesondere die Kreislaufwirtschaft große Chancen zur Emissionsminderung. Die Studie „Circular Economy can substantially reduce EU steel supply chain emissions: A quality-focused circularity assessment" niederländischer und spanischer Wissenschaftler*innen zeigt, dass durch Materialeffizienz, längere Produktlebensdauern und hochwertiges Recycling der Stahlbedarf in Europa deutlich sinken und der Anteil von Sekundärstahl massiv steigen könnte. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge des verfügbaren Schrotts, sondern vor allem seine Qualität. Die Studie wurde in „Resources, Conservation & Recycling" veröffentlicht.